Ingo Karras

Alternativtext zum Video für gehörlose und schwerhörende Nutzer

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Dieser ausführliche Sprechtext wurde als Alternativtext für Hörbehinderte von dem blinden Studenten Jan Merker im Rahmen eines Vorpraktikums erfaßt.

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folgende Personen äußern sich im Beitrag ausführlich:

1. Prof. Dr. Eva Hille, wissenschaftliche Projektleiterin
2. Maren Boßmeyer, blinde BWL-Studentin
3. Stephan Richter, Informatikstudent mit Körperbehinderung
4. Dipl.-Ing. Ingo Karras, organisatorischer Projektleiter
5. Marco Retzlaff, blinder Informatikstudent


Sprecher: 

Für die blinde BWL-Studentin Maren Boßmeyer ist es ein Katzensprung vom Studentenwohnheim zum Campus mit Hörsälen, Laboren, Werkstätten und Bibliotheken. Stefan Richter hat sein Informatikstudium gerade begonnen, sowie sein Kommilitone Marco Retzlaff. Studenten mit Behinderungen kann man überall und in vielen Fachrichtungen treffen. Kein Wunder bei dem besonderen Studienangebot der Fachhochschule Lausitz.

 

Frau Prof. Dr. Hille, wissenschaftliche Projektleiterin: 

Aufgrund dessen das es hier schon viele verschiedene Studiengänge in diesem Bereich gibt und zwar die Rehabilitationstechnik, die medizinische Informatik und wir haben vorbereitet den dualen Bachelor-Studiengang Physiotherapie, war dann von der Hochschulleitung gesagt worden, wir müssen auch ein Studienzentrum für barrierefreie Lehre und Forschung ins Leben rufen. Außerdem war die Anzahl der Bewerber mit Behinderung gestiegen.


Sprecher: 

Seit 2003 steht darum allen Studenten mit Behinderungen aller Fachrichtungen ein Ansprechpartner und eine ganz Palette technischer Hilfsmittel zur Verfügung. Das nutzt Maren Boßmeyer, die als Kind Erblindete auch im dritten Semester ihres BWL Studiums einmal pro Woche.

 

Maren Boßmeyer, blinde Studentin :

Ich bin hier integriert. Alle anderen Kommilitone sind nicht behindert. Und diese Studienzentrum hat, also eigentlich konkret der Herr Karras, der hat am Anfang gefragt ob da ein paar Kommilitone bereit wären mir zu helfen. Da haben sich auch welche gemeldet und jetzt sieht es aus das mir Bücher eingescannt werden, das Mathescripte umgewandelt werden und das ich Bilder taktil vorgelegt bekomme usw.

 

Sprecher:

Alles Material was von studentischen Hilfskräften mit viel Zeitaufwand hergestellt wird bleibt über das Studienzentrum auch nachfolgenden Studenten erhalten. Maren Boßmeyer sieht sich da als erste blinde BWL-Studentin an der Fachhochschule Lausitz durchaus als Vorreiterin. Sie ist in die brandenburgische Kleinstadt Senftenberg gekommen, weil sie hier optimale Vorrausetzungen fand neben einem Studium, ihre leistungssportlichen Ambitionen fortzusetzen. Die Vize-Europameisterin im Tademsprint trainiert im nahe gelegenen Olympiastützpunkt Cottbus. In Cottbus und Senftenberg, in beiden Standorten der Fachhochschule wird auch das Studienzentrum genutzt.

 

Herr Prof. Dr. Laßner: 

Meine Damen und Herren, ich begrüße Sie zur Diskreten Mathematik.


Sprecher: 

Vorlesung bei Professor Wolfgang Laßner für das erste Semester der Informatik. Unter den Studienanfängern Stefan Richter. Informatik ist für Abiturienten mit Behinderung besonders attraktiv, gleich drei Studenten werden hier vom Zentrum für barrierefreie Lehre und Forschung unterstützt. Das Computerzeitalter öffnet neue Perspektiven.

Stefan Richter ist durch eine seltene Krankheit stark bewegungseingeschränkt. Die hohen Anforderungen seines Traumstudiums können ihn nicht schrecken. Stefan Richter hat an einem Finsterwalder Gymnasium sein Abitur gemacht. In der Schule bekam er die letzten drei Jahre persönliche Assistenz bewilligt. Auch beim Studium ist er auf die Hilfe eines Begleiters angewiesen. Darum musste er aber kämpfen.


Stephan Richter, Student mit Körperbehinderung:

Ja, das war schwierig.

Interviewerin:

Das war schwierig. Wo lag das Problem?

Stephan Richter:

Beim Sozialamt. Sie wollten das Geld nicht "rausrücken".

 

Sprecher: 

Erst kurz vor der ersten Vorlesung kam der positive Bescheid und Stefan Richter konnte tatsächlich sein Studium beginnen. Im Studienzentrum gibt es jetzt die neue Arbeitsgruppe Informatik. Neben der fachbezogenen Hilfe erhalten die Studenten hier auch bei allen weitern Problemen rund ums Studium Unterstützung.

 

Herr Dipl.-Ing. Ingo Karras, organisatorischer Projektleiter: 

Die Antragsteller sind die Studierenden selbst und das ist nun zu den Zeiten jetzt mit gewisser Sparpolitik doch so, das ich den Eindruck habe, das Anträge erst so richtig betrachtet werden, wenn ein Widerspruch vorliegt. Es wird regulär ein ablehnender Bescheid ausgestellt und erst wenn dann widersprochen wird, wird der Antrag wohl genau betrachtet. Das ist wohl leider heutzutage so. 

 

Sprecher:  

Auch wenn die Fachhochschule Lausitz ihre Türen weit für Studenten mit Behinderungen öffnet, sie tatkräftig unterstützt, Bewerber brauchen nach wie vor viel Mut und Stehvermögen. Marco Retzlaff ist von Geburt an blind. Um den Assistenten der ihm zur Orientierung auf dem Campus zur Seite steht, musste er sich selbst kümmern. An anderen Hochschulen hatte sich Marco Retzlaff vergeblich um einen Studienplatz bemüht. In Senftenberg konnte er schon vor Studienbeginn ein Praktikum beim Studienzentrum absolvieren. Der starke Praxisbezug an einer Fachhochschule reizt ihn besonders.

 

Marco Retzlaff, blinder Informatikstudent:

Also ich hab hier mein Studium begonnen um im Endeffekt teils in die Forschung teils vor allem in die Selbstständigkeit zu gehen. Und zwar geht es mir darum, es gibt Hilfsmittel - für Blinde - klar, aber die sind bei weitem noch nicht perfekt. Und ein Blinder der sagt, das ist noch nicht perfekt, nur der kann auch sagen was man besser machen kann, wie man es besser machen kann und womit man es besser machen kann.

 

Sprecher:

Marco Retzlaff ist ein gefragter Gesprächspartner der Informatiker. Die hier für Blinde eine lesbare Darstellung mathematischer Formeln diskutieren. Das Zentrum für barrierefreie Lehre und eben auch Forschung koordiniert Diplomarbeiten und Entwicklungsaufträge für und mit von Behinderungen Betroffenen. Sebastian Röslar, ein angehender Ingenieur für Maschinenbau, entwickelt im Rahmen seiner Diplomarbeit für den bekannten Potsdamer Mundmaler Thomas Kalau eine steuerbare, bewegliche Staffelei.

Auseinandersetzung mit Behinderung - Eine Erfahrung die Studenten der Fachhochschule Lausitz in ihren späteren Berufsalltag mitnehmen.


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Veröffentlichter Text der MDR-Redaktion, Sendereihe "selbstbestimmt!":

Oft kleiner und überschaubarer, dazu mit ausgeprägtem Praxisbezug, sind Fachhochschulen eine attraktive Alternative zu Universitäten, gerade auch für Studienbewerber mit Behinderungen. Für diese gibt es seit 2003 an der Fachhochschule Lausitz ein besonderes Angebot - ein Studienzentrum für barrierefreie Lehre und Forschung.

An den beiden Standorten der Fachhochschule in Cottbus und Senftenberg wird damit Studenten mit den unterschiedlichsten Behinderungen ein attraktives und breit gefächertes Ausbildungsangebot erschlossen – u.a. mit Betriebswirtschaftslehre, Biotechnologie, Informatik, Sozialpädagogik und verschiedenen ingenieurtechnischen Studiengängen vom Bauwesen bis Rehabilitationstechnik. So werden für blinde und sehgeschädigte Studenten benötigte Fachbücher und wissenschaftliche Publikationen auf elektronischen Datenträgern zur Verfügung gestellt.

Doch auch bewegungsbehinderte oder hörbehinderte Studenten profitieren von der Bereitstellung von Vorlesungsskripten und der Vermittlung von studentischen Hilfskräften. Das Studienzentrum gibt darüber hinaus Impulse für Forschungen zur barrierefreien Gestaltung, es koordiniert Diplomarbeiten und Entwicklungsaufträge für und mit von Behinderungen Betroffenen.

Quelle: Mitteldeutscher Rundfunk (MDR)

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Kontakt:

Ingo Karras
Hochschule Lausitz (FH)
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D - 01968 Senftenberg

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