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Jülicher Biotechnologen besuchen FH Lausitz

23.04.2008
Kategorie: Pressemitteilungen

Zwei Professoren, die im Forschungszentrum Jülich als Institutsleiter tätig sind, berichten an der FH Lausitz in Senftenberg über ihre Arbeiten. So lädt der Fachbereich Bio-, Chemie- und Verfahrenstechnik am Dienstag, dem 29. April 2008, zu einem Kolloquium mit Prof. Dr. Karl-Erich Jäger ein, das um 16:15 Uhr im Gebäude 14 C, Hörsaal 103, beginnt. Das Kolloquium mit Prof. Dr. Christian Wandrey folgt am Dienstag, dem 6. Mai, um 17:30 Uhr an gleicher Stelle. Gäste sind bei freiem Eintritt herzlich willkommen.

Spätestens seit dem Nobelpreis für Physik an Peter Grünberg 2007 ist die größte außeruniversitäre Forschungseinrichtung Deutschlands, die Forschungszentrum Jülich GmbH, wieder deutlicher in das Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Zwar ist die Mehrheit der dort 4.400 tätigen Menschen dem Fachgebiet Physik zuzuordnen, doch auch die „Life Sciences“ werden auf international hoch angesehenem Niveau beforscht. Insgesamt vier Institute arbeiten dort überwiegend mit Mikroorganismen. Die Institutsleiter von zweien dieser vier Institute kommen in der nächsten beziehungsweise der übernächsten Woche zum Vortrag nach Senftenberg.

Den Anfang macht Prof. Dr. Karl-Erich Jäger, Leiter des Instituts für Molekulare Enzymtechnologie. Professor Jäger ist der Nachfolger von Prof. Dr. Regina Maria Kula, die das Institut im Jahr 1978 gründete und 2002 emeritierte. Professorin Kula war außerordentlich erfolgreich. So erhielt sie zum Beispiel 2002 aus der Hand des Bundespräsidenten den Zukunftspreis. Professor Jäger ist seit 2002 in Jülich und wird nun am 29.April 2008 einen Vortrag halten mit dem Titel „Neue Lipasen aus Bakterien“. Lipasen sind Enzyme (Biokatalysatoren), die in der Natur Fette spalten und deshalb zum Beispiel im menschlichen Darm an der Verdauung mitwirken. In der Technik werden Lipasen aber aus leicht zu kultivierenden Mikroorganismen gewonnen und nicht nur für Abbaureaktionen, sondern in zunehmendem Maße auch in der Synthese eingesetzt. Das ist deshalb möglich, weil Lipasen nicht nur in Wasser, sondern auch in organischen Lösungsmitteln aktiv sind. Die Fachhochschule Lausitz interessiert sich aus drei Gründen für die Arbeiten von Professor Jäger. Erstens hat die Hochschule im Dezember 2006 ein Patent zur Herstellung von Lipasen mit Pilzen angemeldet. Das in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. K.-Peter Stahmann entwickelte System hat das Ziel, die Kosten für die Herstellung von Lipasen zu senken. Zurzeit kostet ein Kilogramm dieses Enzyms zirka 1.000 EURO.

Zweitens arbeitet eine Doktorandin von Professor Stahmann, Susann Koall, Master-Absolventin der Biotechnologie Senftenberg, zusammen mit der Brandenburgischen Technischen Universität in Cottbus an der Entwicklung eines wirtschaftlichen Verfahrens zur Spaltung von Rapsöl in wertvollere Fettsäuren. Die Zusammenarbeit basiert auf der Idee von Prof. Dr. Klaus Schnitzlein, dem Lehrstuhlinhaber des Instituts für Chemische Reaktionstechnik, der mit seinem Doktoranden, Ms.Sc. Mahesh Huddar, dafür einen neuartigen Enzymreaktor entwickelt. Das zurzeit in der Industrie verwendete chemische Verfahren ist energieaufwendiger.

Drittens arbeitet Dr. Katrin Salchert, Professorin für Naturstoffchemie im Studiengang Chemieingenieurwesen der Fachhochschule Lausitz, mit der von Professor Stahmann untersuchten Lipase an deren Immobilisierung. Ein weiterer Hebel zur Senkung der Kosten für Verfahren mit Lipasen ist deren Kopplung an feste Partikel. Über diese ist eine Rückgewinnung des wertvollen Biokatalysators zum wiederholten Einsatz möglich. Zudem führen Immobilisierungen häufig zur Stabilisierung der Enzyme, d.h. die Lebensdauer erhöht sich. Professorin Salchert ist Expertin für die Funktionalisierung von Oberflächen. Mit Unterstützung der BASF Schwarzheide GmbH arbeitet sie mit dem Diplomanden Steffen Berger an der Bindung der Lipase an einen in Schwarzheide hergestellten Träger.

Am 6. Mai 2008 wird Prof. Dr. Christian Wandrey nach Senftenberg kommen. Sein Vortragstitel lautet „Messung cytosolischer Metabolitkonzentrationen für die Bioprozessentwicklung“. Professor Wandrey ist seit 1979 Leiter des Instituts für Biotechnologie 2 im Forschungszentrum Jülich. Die Senftenberger Biotechnologen hoffen auf die Hilfe von Professor Wandrey bei der Besetzung der Professur für Bioverfahrenstechnik. Die Stelle hatte bis zum Wintersemester Prof. Dr.-Ing. Karl-Heinz Wolf inne, der danach emeritierte und sich jetzt selbst vertritt. Das Institut von Professor Wandrey ist auf diesem Gebiet Weltspitze. Über 250 Publikationen in internationalen Fachzeitschriften und mehr als 80 Patente sind daraus hervorgegangen. Die Wandreysche Schule prägt inzwischen wesentlich die Wissenschaftslandschaft in Deutschland. Acht seiner Doktoranden und/oder Gruppenleiter sind inzwischen Lehrstuhlinhaber nicht nur in Deutschland: Prof. Dr. Alexander Aivasidis (Uni  Xanthi, Griechenland), Prof. Dr. Manfred Biselli (Fachhochschule Jülich /Aachen), Prof. Dr. Jochen Büchs (RWTH Aachen), Prof. Dr. Andreas Liese (Uni Hamburg), Prof. Dr. Udo Kragl (Uni Rostock), Prof. Dr. Michael Müller (Uni Freiburg), Prof. Dr. Thomas Noll (Uni Bielefeld), Prof. Dr. Dirk Weuster-Botz (LMU München), Prof. Dr. Wolfgang Wiechert (Uni Siegen).

 Weitere Informationen unter www.fh-lausitz.de.

 Bei Rückfragen steht zur Verfügung:

Prof. Dr. K.- Peter Stahmann

Fachhochschule Lausitz

Studiendekan Biotechnologie

E-Mail:  stahmann=at=fh-lausitz.de