Seit vielen Jahren ist die Stellung der Hochschulen in der Lausitz schwierig. Der demografische Wandel, fehlende Auslastung einzelner Studiengänge und Defizite in der Forschungsprofilierung haben immer wieder zu Strukturveränderungen geführt, ohne dass eine dauerhafte Lösung entstanden wäre.
Der Senat der Hochschule Lausitz begrüßt die Empfehlungen der Lausitz-Kommission und den Vorschlag der Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Frau Prof. Dr.-Ing. Dr. Kunst, für eine Neugründung einer „Bologna-Universität“. Er versteht beide Ansätze als Bemühung um eine nachhaltige Lösung.
Die Hochschule Lausitz ist insbesondere für ihre Verankerung in der Region, ihre gute Betreuung der Studierenden und die Forschungsleistungen einzelner Studiengänge und Kolleginnen und Kollegen positiv durch die Lausitz-Kommission gewürdigt worden. Es wurde auch Kritik geübt, die wir ernst nehmen. Dennoch freuen wir uns über diese insgesamt positive Beurteilung der Leistung der Hochschule Lausitz.
Die wichtigste Voraussetzung, um solche Leistungen zu zeigen, sind die Menschen, die sie erbringen. Ihnen darf man nicht das Gefühl geben, lediglich disponible Masse zwischen Institutionen und Standorten zu sein. Die Senatsmitglieder begrüßen es deshalb, dass die Ministerin ausdrücklich erklärt hat, dass niemand um seine Beschäftigung fürchten muss. Das muss insbesondere auch für jene Personen unter den Professorinnen und Professoren gelten, deren Verträge nicht entfristet sind. Sie sind der Nachwuchs der Hochschule und ihr Verlust macht jede denkbare Restrukturierung nicht leichter sondern schwieriger.
Die Verankerung in der Region und die intensive Betreuung von Studierenden, insbesondere solcher mit Fachhochschulreife, sind ebenfalls keine Selbstverständlichkeiten. In einem universitären Umfeld, in dem DFG-Mittel und Publikationen in Zeitschriften mit einer besonders hohen Reputation die hochschulinternen Wettbewerbsbedingungen prägen, sind solche fachhochschultypischen Leistungen gefährdet. Sie bedürfen des besonderen Schutzes, entweder in Form von Eigenständigkeit solcher Angebote in Lehre und Forschung oder in Anreizsystemen, die solche Leistungen ebenso honorieren wie die Länge der Publikationsliste oder die Höhe der eingeworbenen Drittmittel.
Das hohe Drittmittelaufkommen der Hochschule Lausitz, das für eine Fachhochschule in einer strukturschwachen Region ebenfalls eine besondere Leistung darstellt, setzt Freiräume für die Forschung voraus. Die Kolleginnen und Kollegen müssen die Sicherheit haben, dass solche Freiräume auch künftig existieren. Die Institution der Fachhochschule bietet bisher hier die Lehrdeputatsermäßigung und die Möglichkeit einer Forschungsprofessur.
Der Senat begrüßt die Profilierung mit den Schwerpunkten Energie, Umwelt und Mensch, die sowohl im Gutachten der Lausitz-Kommission als auch von der Ministerin vorgeschlagen wird. Jenseits der Bezeichnung ist der Weg zu einer Bologna-Universität im Grundsatz aus der Sicht des Senates richtig. Was die künftigen Strukturen hier bieten werden, ist einstweilen offen. Eine professorale Zweiklassengesellschaft, in der sich die einen vom Abstieg bedroht und die anderen von Lehrstuhlinhabern dominiert fühlen, ist aus der Sicht des Senates der Hochschule Lausitz keine erstrebenswerte Option. Deshalb fordert der Senat die politisch verantwortlichen Stellen auf, den künftigen Status der Professorenschaft an gemeinsamen Einrichtungen oder einer gemeinsamen Universität zu klären.
Die Empfehlungen der Lausitz-Kommission wie auch die bislang bekannt gewordenen Vorstellungen der Ministerin sehen eine starke naturwissenschaftliche bzw. technische Ausrichtung der geplanten Neustrukturierung vor. Wegen der demografischen Entwicklung in der Lausitz, der geographischen Lage der Region an der Peripherie des Landes und wegen der bundesweit schwachen Nachfrage nach solchen Studiengängen ist damit klar, dass das Studierendenaufkommen in der Lausitz voraussichtlich auch in Zukunft begrenzt sein wird. Das wird im Mittelverteilungsmodell des Landes Brandenburg, das gedeckelt ist und vor allem auf Studierendenzahlen abzielt, für eine weitere Umverteilung der Mittel von der künftigen Lausitzer Hochschullandschaft zu den berlinnahen Hochschulstandorten des Landes sorgen. Wenn von den geplanten Reformen aber mehr übrig bleiben soll als die Realisierung von Einsparungen durch die Beseitigung möglichst vieler Doppelungen in den Studienangeboten, dann muss die künftige Lausitzer Hochschullandschaft durch andere Formen der Finanzierung nachhaltig gesichert werden.
Der Senat begrüßt ebenfalls den Erhalt und die Sicherung des Standortes Senftenberg mit den bestehenden Fakultäten 1 und 2. Entgegen dem Gutachten der Lausitzkommission gehört der Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen der Hochschule Lausitz zur Fakultät 1. Mit Blick auf die beiden Standorte der Hochschule Lausitz birgt der Neuordnungsprozess allerdings die Gefahr, dass funktionierende und positiv evaluierte Strukturen dem Versuch, Synergieeffekte zu erschließen, geopfert werden und das Ergebnis wieder nur eine hochschulpolitische Dauerbaustelle ist.
Der Senat sieht in dem angestoßenen Reformprozess eine Chance für eine nachhaltige Lösung der Probleme des Hochschulstandortes Lausitz. Die Senatsmitglieder appellieren deshalb an die Verantwortlichen in der Politik, möglichst schnell Klarheit über die rechtlichen Regelungen, die zu erhaltenden Strukturen und Standorte, über den letztgültigen institutionellen Zuschnitt und vor allem über die Konditionen innerhalb gemeinsamer Fakultäten oder einer gemeinsamen Universität herzustellen.
Der Senat wird sich an diesem Prozess konstruktiv beteiligen.“
Dipl. Lehrerin Ilka Bichbeimer, Vorsitzende des Senats
Prof. Dr.-Ing. Daniela Döring
Prof. Dr.-Ing. Peter Biegel
Prof. Bernd Gläser
Prof. Dr.-Ing. Torsten Jeinsch
Prof. Dr.-Ing. Friedrich Lenk
Prof. Dr.-Ing. Matthias Suckow.
Dr. Barbara Hansen
Maxim Blechschmidt
Jenny Scholka
Adelheid Vorwerk